Hunnen

Vor vielen Jahrhunderten war der Zusammenfluss der Selenga und der Uda ein Übergangsort mit regem Verkehr auf der „Großen Teestraße“. Im Vorort der burjatischen Hauptstadt Ulan-Ude befindet sich der einzigartige archäologische Komplex – die Ausgrabungen des Iwolginsker Ringwalls. Dieser Komplex ist eines der wichtigsten archäologischen Hunnen-Denkmäler in Burjatien.

Dort befand sich ein großes  Militär-, Verwaltungs-, Handels-, Kultur- und Wirtschaftszentrum des Hunnen-Reiches. Die Bevölkerung der Stadt zählte ca. 3 000 Einwohner. Hier wurden 51 Behausungen und Werkstätten gefunden.

Die Artefakte aus dem Ringwall und aus der sich in der Nähe befindenden Grabstätte stammen aus dem 1. Jh. v.Chr., der Gründungszeit der Stadt. Man kann vermuten, dass der Iwolginsker Ringwall die Siedlung des Hunnen-Häuptlings Zhaojun war.

Dort, wo heute Ulan-Ude liegt, befand sich früher die vermutliche Hunnen-Hauptstadt. Der Zusammenfluss der Selenga und der Uda, weite fruchtbare Täler waren immer eine gute, strategisch wichtige Stelle, um sich hier niederzulassen. Diesen geebneten Weg gingen immer Karawanen.


 

Ende des 3. Jh. vergrößerten sich die Truppen der Hunnen, die nordöstlich von China lebten. In kurzer Zeit zerschlugen sie benachbarte Nomaden-Stämme. Ihr Einfluss dehnte sich über ein riesiges Territorium von der Zentralmongolei bis Ostturkestan aus.

Die Hunnen gründeten in ihrem Staat eine effektive, genau geregelte Struktur der Gesellschaft: ein effektives Verwaltungssystem, einen Beamtenapparat, eine mobile starke Armee, Ansätze des Steuersystems und der Stadtkultur. Dadurch kann man die Hunnen-Gesellschaft als einen besonderen Typ des entwickelnden Staates betrachten.

Das Imperium Han, der größte Staat im Alten Orient, sollte die Gleichstellung des Hunnen-Reichs anerkennen. Die Epoche der asiatischen Hunnen endet im I. Jh. mit dem allmählichen Zerfall des Reiches. Die Untersuchung der Geschichte und der Kultur der Steppenvölker in Eurasien ist unabdingbar mit den Hunnenstämmen verbunden. Die Erforschung beginnt mit der Abhandlung des berühmten altchinesischen Historikers Sīmǎ Qiān (Ende II. Jh. v. Chr.). Das wissenschaftliche Gut zählt mehrere Hunderte Abhandlungen. Und dennoch bleiben viele Fragen noch offen, z.B. die Entstehung der Sprache, die ethnische Zugehörigkeit u.a.


Rekonstruierter Kopf eines Hunnen (Autor – N.N. Mamonov)

 

 

 

 

 


 


 

Chinesische Quellen belegen, dass „Nordbarbaren auf der Suche nach Gras und Wasser ihrem Vieh folgten“. Das Zitat chinesischer Historiker wurde mit der Zeit zu einem Stereotyp bei der Beschreibung der wirtschaftlichen Lebensform ihrer Nachbarn im Norden. Aber bei der Erforschung der archäologischen Denkmäler wurden neue objektive und zuverlässige Quellen entdeckt, die über die Geschichte der Hunnen erzählen.

Ausgrabungen in der heutigen Republik Burjatien ermöglichen uns, die materielle und geistige Kultur der Hunnen kennenzulernen. 

Hunnen trieben neben Viehzucht, auch Ackerbau und Handwerk. Anthropologisch war die Bevölkerung auch nicht homogen, sie bestand aus mongoloiden, europoiden und gemischten Typen. Beerdigungszeremonien weisen eine große soziale Differenzierung der Gesellschaft und komplizierte Verhältnisse zwischen Nomaden und der ansässigen Bevölkerung auf.

Alle Schichten der Gesellschaft bildeten eine einheitliche Struktur des Hunnen-Staates, die in sich Nomaden – und Ackerbaukultur einschloss. Die Ergebnisse der letzten Untersuchungen zeigen, dass die sozialwirtschaftliche Struktur bei den zentralasiatischen Völkern komplizierter war, als man früher vermutet hat. Die erste Erfahrung bei der Gründung eines großen Staates hatte sowohl positive als auch negative Folgen.

Das militärpolitische und wirtschaftliche System des Steppen-Reiches, das die Hunnen entwickelt haben, wurde später von Turkvölkern, Ujguren und Mongolen, erfolgreich eingesetzt. Mehrere Jahrhunderte später verwendete Tschingis-Khan dieses Modell für die Gründung seines Reiches, im XVII Jh. benutzten Burjaten das Modell für die Treibjagd. Dem Modell lag eine strenge Militärformation zugrunde: dekadisches System (Zehner, Hunderte, Tausende, Unmengen) und administrative Teilung in den rechten und linken Flügel und das Zentrum. Die Forscher meinen, dass die Hunnen den ersten Nomadenstaat in Zentralasien gründeten. Das war eine der ersten staatlichen Formationen auf dem Territorium des modernen Russlands.

 


Fragment eines Filzteppichs (aus der Grabstätte Noin-Ula)

 

 

 

 

 


 

Die Hunnen übten einen großen Einfluss auf die weitere Entwicklung der eurasischen Staaten im frühen Mittelalter aus.  Bei der Gründung des mächtigen Staates eroberten die Hunnen viele Stämme in den mongolischen Steppen, im Sajan- und Altai-Gebirge und im Thjan-schan. Im IV. Jh. ging die Hunnenhorde in den Westen und nach Südeuropa, wo sie die politische und wirtschaftliche Situation völlig umgestaltete. Das waren die Ereignisse der Weltgeschichte der Zeitenwende und des frühen Mittelalters.

Von den Hunnen stammen viele Völker, vor allem mongolische und Turkvölker. Archäologische Denkmäler aus der Hunnen-Epoche findet man auf einem großen Territorium Zentralasiens. In Burjatien befinden sie sich vorwiegend im Süden. Einige von ihnen sind gut erforscht worden und haben einen besonderen Wert für die Geschichte. Darunter der Iwolginsker Ringwall, ein Denkmal von Weltbedeutung. Es vermittelt umfangreiche Informationen über die Wirtschaftsform bei den Hunnen, ihre Behausung, Sitten und Bräuche, Welteinstellung und andere Seiten des Lebens und der Kultur des Volkes, das zu jener Zeit schon ansässig war.