Stadtgeschichte

 

Die meisten modernen Städte wurden an Orten gegründet, die in ferner Vergangenheit vom Menschen erschlossen wurden. Einige Quellen belegen, dass die ersten Menschen vor ca. 7000 Jahren auf das Territorium des heutigen Ulan-Ude kamen. Davon zeugen: die Grabstätte im Dorf Schischkowka aus dem Neolithikum, die Station Divisionnaja – eine Siedlung aus der Bronzezeit, die Grabstätten  aus dem Mittelalter im ethnografischen Freilichtmuseum und im Dorf Seljonyj, und auch Archivdokumente über die Entdeckung von Hunnengrabstätten im Dorf Silikatnyj (3. Jh. v. Ch.). In der Umgebung der Stadt findet man zahlreiche archäologische Denkmäler, die von der Geschichte der Stadt vor der Erschließung Sibiriens durch Russen zeugen.

 

Ulan-Ude liegt am Zusammenfluss von Uda und Selenga. Die Geschichte von Ulan-Ude beginnt mit einer russischen Kosakenfestung in den Zeiten, als sich Ostsibirien dem Russischen Staat anschloss (17. Jh.). Den Ort für die Gründung der Stadt wählten die Kosaken und nannten ihn „das Uda-Steinchen“, durch diesen Ort ging der Weg, den die Einheimischen „den klingenden Khansweg“ nannten, und die Fähre über die Selenga. Diesen Ort hielten die Burjaten für einen heiligen Ort.

 

1666 wurde die Winterfestung „Udinskij“ von der Kosakentruppe Gavriil Lovzovs an diesem Ort  gebaut. Zur gleichen Zeit wurde die erste russische Handelskarawane von Moskau nach China geschickt, später wurde dieser Weg „die Teestraße“ genannt. Nach 14 Jahren, 1678, ließ der Bojarensohn aus Tomsk Ivan Porschennikov die Verteidigungsmauern der Festung „Udinskij“ errichten. Der Hauptgrund, warum dieser Ort gewählt wurde, war eine aus militärischer Sicht sehr günstige Lage, von hier aus konnte man das ganze Territorium im westlichen Transbaikalien gut kontrollieren.

1687 wurde die Festung auf Befehl von F. Golovin, des Zarenbotschafters und des Freundes  von Peter I., der später zum General-Feldmarschall ernannt wurde, rekonstruiert. Er kam damals nach Transbaikalien, um den Grenzvertrag von Nertschinsk * mit China abzuschließen. Die Festung war von großen dreifachen Höckern  und einem Festungsgraben umgeben, man legte auch einen Geheimgang zum Fluss und baute Türme, einen Wachturm, einen Vorort, eine zweifache Umzäunung (einen Pfahlzaun aus Balken und eine Sperre), eine Artilleriebatterie, zwei Tore und eine Kapelle. Im Vorort befanden sich ungefähr 100 Kosakenhäuser. Im Winter wurde der Hügel, auf dem die Festung stand, mit Wasser übergossen, damit sich Feinde zur Festung nicht heranschleichen konnten.

*das erste Abkommen (Qing-)Chinas mit einem europäischen Staat

 

 

1689 wurde die Festung „Udinskij“ auf Golovins Antrag in den Rang einer Stadt erhoben und wurde zum administrativen und militärischen Zentrum Transbaikaliens. Die Errichtung der Festung „Udinskij“ spielte eine große Rolle für die Herstellung des Friedens in Transbaikalien und die Entwicklung des Handels mit China.

Dieser historische Ort, an dem die Festung gebaut wurde, liegt am rechten felsigen Ufer der Uda. Die Festung „Udinskij“ existierte bis zur zweiten Hälfte des 19. Jh., danach wurde sie von den Einheimischen als Brennholz auseinandergenommen. Jetzt stehen an diesem Ort ein Gedenkstein und ein Steinkreuz.

 

Die Festung „Udinskij“ wurde dank dem Zustrom der russischen Übersiedler in das Selenga-Tal und dem wirtschaftlichen Aufstieg der Nachbarregionen zu einer Stadt. Die Festung „Udinskij“ wurde zu einem wichtigen Lagerplatz, von hier aus wurden auch Handelskarawanen in die Nachbarregionen geschickt. Dank ihrer günstigen geografischen Lage wurde die Stadt zum administrativen  Handelszentrum Transbaikaliens, zum Vermittler zwischen der Mongolei, China und ostsibirischen Städten. Mit der Entwicklung der Stadt bildeten sich die Wege nach Irkutsk, Nertschinsk und Tschita, die bei der ersten Stadtplanung zu Hauptstraßen wurden.

 

1735 gab es in der Stadt schon 120 Wohnhäuser. Die erste Struktur der Stadt war kompakt, hatte eine deutliche architektonische Komposition, die bis heute erhalten blieb. Die Einzigartigkeit  und Schönheit der Holz- und Steinarchitektur war beeindruckend, darunter die Odigitrija-Kathedrale (1741-1785), die Erlöserkirche (1786-1800) und die Dreifaltigkeitskirche (1798-1806). Die Odigitrija-Kathedrale ist das erste Steingebäude in Werchneudinsk und das Denkmal der sakralen Architektur Sibiriens im 18. Jh. Sie diente als Ausgangspunkt bei der Festlegung der Straßen in den Planungsprojekten im 18./19. Jh.

1768 wurde die Handelsmesse gestiftet, seit 1780 wurde sie zweimal im Jahr durchgeführt und wurde zur umsatzstärksten Messe in Transbaikalien. Die Stadt entwickelte sich zu einem der größten Großhandelszentren auf der „Teestraße“. Hier wohnte eine große Gruppe von reichen Kaufleuten, von deren Geldern viele öffentliche Gebäude gebaut wurden.

Seit 1783 hieß die Stadt Werchneudinsk und wurde zu einer Kreisstadt.


 

Die Stadt erhielt ein Wappen, das von ihrer Bedeutung im Handel zeugte. Der Merkurstab und das Füllhorn auf dem Wappen symbolisieren „den regen Handel in der Stadt“.  Gehandelt wurde  mit Textil-, Leder-, Eisen-, Teig- und Genusswaren, mit Drogenwaren und Parfüm, Tee und Zucker. Der Beschreibung von Zeitgenossen nach erinnerte Werchneudinsk an ein kompaktes Handelszentrum, das in zwei Teile unterteilt war – in den städtischen Teil, der aus einer Holzfestung bestand, und die Vorstadt mit Geschäften, Handelsläden, Wohnhäusern und Kirchen.

Da die Stadt auf dem Moskauer Trakt lag, wurde sie zu einem großen Umschlagplatz für Verbannte und Zuchthäusler. Viele politische Verbannte, darunter auch die Dekabristen, förderten die Entwicklung der Kultur und Bildung in Transbaikalien. 1793 wurde die erste Bildungseinrichtung eröffnet – die Volksschule, die 1806 zu einer Kreisschule wurde. Dort arbeitete der berühmte Pädagoge und Poet D.P. Davydov, der Autor des Liedes „Heiliger Baikal“.

Die vorwiegend aus Holz gebaute Stadt war feuergefährdet. 1878 wurden zwei Drittel der Stadt durch Feuer zerstört . 1830 und 1862 wurde die Stadt von starken Erdbeben heimgesucht, 1867 - vom Hochwasser, bei dem ein bedeutender Teil der Stadt überschwemmt wurde.

 

Die erste Volkszählung im Jahre 1897 zeigte, dass in der Stadt damals ca. 8000 Menschen wohnten. Die soziale Bevölkerungsstruktur war in der Mitte des 19. Jh. verschiedenartig, das waren Kleinbürger (1212 Personen), Angehörige des Militärs (717 Personen), nichtadlige Intellektuelle (480 Personen), Kaufleute (171 Personen), Adlige (109 Personen), Beamten (98 Personen), Knechte (71 Personen), Geistliche (60 Personen), Verbannte (28 Personen) u.a. In der Stadt waren verschiedene Konfessionen vertreten: u.a. Orthodoxe, Juden, Mohammedaner, Katholiken, Altgläubige, Buddhisten, Lutheraner. In der Stadt wohnten verschiedene Nationen – u.a. Russen, Juden, Polen, Burjaten, Chinesen, Tataren, Georgier, Armenier .

Der Handelshof wurde zum wichtigsten öffentlichen Bau im Zentrum von Werchneudinsk am Ende des 19. Jh. und behielt bis heute wichtige Elemente des russischen Klassizismus am Handelsplatz bei.

1875 wurde in Werchneudinsk eine Satzung festgelegt, laut der der erste Stadtrat gewählt wurde. Als Stadtoberhaupt wurde der Kaufmann erster Gilde I.P. Frolov gewählt.

1873 fuhr der russische Thronfolger, der Großfürst Aleksej an der Stad vorbeit, und 1891 besuchte der Zarensohn Nikolaj, der zukünftige russische Zar Nikolaj II., die Stadt. Er kehrte auf dem Tschitaer Trakt von seiner Weltreise zurück und quartierte sich im Haus des Kaufmanns erster Gilde I.F. Goldobin ein, wo sich heute das Museum für Stadtgeschichte befindet. Seiner Ankunft zu Ehren wurde der Triumphbogen „Zarentor“ errichtet, und seitdem  feierten die Stadtbürger jährlich am 20. Juni den Tag seiner Ankunft .

Seit 1900 begann der reguläre Eisenbahnverkehr, der Transbaikalien mit dem Zentrum Russlands verband.


 

Die wirtschaftliche Entwicklung wurde durch den Bau der Transsib beeinflusst. Es wurden Filialen großer Banken eröffnet, neue Mietshäuser und Betriebe (1913 zählte die Stadt 18 Betriebe), das erste Kraftwerk, Hotels und ein Kino gebaut

1912 wurde das erste Fernsprechamt errichtet, begann der Post- und Autoverkehr zwischen Werchneudinsk und Troizkosawsk (heute: Kjachta). Das öffentliche Leben war in der Stadt aktiv: es wurden wohltätige Abende, Konzerte, Theatervorstellungen, Paraden, Rummel, Karnevale und auch erste sportliche Wettbewerbe veranstaltet. 1915 fand auf dem Basar (heute: Platz der Revolution) das erste Fußballspiel zwischen „Spartak“ und „Gladiator“ statt.

Die Revolution änderte die Lebensweise in der Stadt. 1917 wurde in Werchneudinsk der Sowjet der Arbeiter- und Soldatendeputierten unter dem Vorsitz von V.M. Serov gegründet. Der zweite Kongress der Arbeiterdeputierten der Baikalregion unterstützte die Errichtung der Sowjetmacht. 1918 wurde die Stadt von den weißtschechischen und weißgardistischen Truppen besetzt. 1920 wurde in der Stadt die Sowjetmacht errichtet. Werchneudinsk wurde zur Hauptstadt der Fernöstlichen Republik, und 1921 zum Gouvernementzentrum des Baikalgouvernements. 1923 wurde die Burjat-Mongolische Autonome Sozialistische Sowjetrepublik gegründet, die das Territorium der Bezirke Ust-Ordynsk und Aginsk mit einschloss, Werchneudinsk wurde zur Hauptstad der Republik.

1926 begann der Luftverkehr zwischen Werchneudinsk und Ulan-Bator, der erste Flughafen befand sich am Standort der heutigen Rennbahn der Republik. Es wurde das erste professionelle Theater eröffnet, der erste große Radiosender nahm seine Arbeit auf. 1929 wurde das Schiffswerk gebaut und die erste akademische wissenschaftliche Einrichtung - die Burjat-Mongolische Hochschule für Kultur - eröffnet.

30er Jahre - die Jahre des kraftvollen Aufbaus. 


 

In dieser Zeit stieg die Bevölkerungszahl durch den Zustrom der Fachkräfte aus dem Westen des Landes. 1934 wurde Werchneudinsk in Ulan-Ude umbenannt. Die Stadt entwickelte sich zum Industriezentrum der Republik, es wurden Fabriken, Betriebe der Nahrungsmittel- und Verarbeitungsindustrie, große Maschinenwerke gebaut. Die Fähre über die Selenga wurde durch eine Straßenbrücke ersetzt. Der öffentliche Verkehr begann, die ersten 19 Busse fuhren auf 4 Linien mit einer Gesamtlänge von 29 km. 1932 wurden die pädagogische A.S. Puschkin-Hochschule und das erste burjatische professionelle Theater eröffnet.

Während des 2.Weltkrieges wurden in der Stadt Kriegslazarette organisiert, in denen verletzte Soldaten behandelt wurden. Zu Ehre dieser Ereignisse wurden Obelisken und Gedenkstätten auf Plätzen, Alleen und Straßen aufgestellt, am Saudinskij Friedhof wurde ein Mahnmal am Massengrab der Soldaten, die in den Lazaretten gestorben waren, errichtet.

In den Nachkriegsjahren entwickelt sich die Stadt weiter. Die Feintuchfabrik wurde fertiggebaut. 1952 wurde eines der schönsten Gebäude der Stadt – das Burjatische Staatliche Opern- und Balletthaus gebaut, das zu einem der besten musikalischen Theater Ostsibiriens wurde und 1979 den Titel „Akademisches Theater“ bekam. 1957 wurde die Holzbogenbrücke über die Selenga durch die Stahlbetonbrücke ersetzt. Die erste Straßenbahn wurde gelegt, der erste Fernsehsender ging auf Sendung. Es wurden neue Hoch- und Mittelschulen eröffnet, man baute Wohnhäuser, auf dem Stadtplan erschienen die ersten Außenbezirke. 1966 feierte die Stadt ihr 300-jähriges Jubiläum.   

1971 wurde das administrative Zentrum – der Sowjetplatz – mit der Aufstellung des Lenindenkmals fertiggestellt, das zu einer einmaligen Sehenswürdigkeit der Stadt geworden ist. Im nordöstlichen Teil der Stadt eröffnete man das Ethnografische Freilicht-Museum der Völkerschaften von Transbaikalien.  Es  erhielt ein neues Gebäude für das Burjatische Akademische Choza-Namsarajew-Schauspielhaus.

1990 wurde die Stadt in die „Liste der wertvollen Städten Russlands“ aufgenommen. 52 historische Denkmäler, 177 Architektur- und Städtebaudenkmäler, drei Denkmäler der monumentalen Kunst sowie ein archäologisches Denkmal stehen unter Denkmalschutz. Elf von diesen Denkmälern sind von föderaler Bedeutung.

1991 besuchte das Oberhaupt der Buddhisten, der Dalai Lama die Stadt. Im gleichen Jahr feierten die Buddhisten der Republik den 250. Jahrestag der offiziellen Anerkennung des Buddhismus in Russland. Die 90er Jahre sind durch den Wiederaufbau der orthodoxen Kirchen und der buddhistischen Tempel, durch den Aufbau und die Einweihung neuer religiöser Gebäude gekennzeichnet. 1995 begann man mit dem Aufbau des ersten buddhistischen Nonnenklosters. Das 1989 gegründete Zentrum der Ostmedizin, wo die Methoden der tibetischen Medizin praktiziert werden, bekam den Status des regionalen medizinischen Zentrums.

Heutzutage ist Ulan-Ude eine sich dynamisch entwickelnde Stadt und das wirtschaftliche, kulturelle und wissenschaftliche Zentrum Transbaikaliens. Die Bevölkerung der Stadt beträgt 375 300 Einwohner. Die Stadt gilt zu Recht als Kultur-, Theater- und Museenhauptstadt, hier gibt es 6 staatliche Theater, der Burjatische Nationalzirkus, 6 Museen.

In den Museumssammlungen werden Haushalts- und Kulturgegenstände der Völkerschaften aufbewahrt, die das Territorium vom heutigen Burjatien seit den Zeiten der Hunnen bis heute besiedelten. Die authentische Kunst der Maler, Juweliere und Handwerkmeister ist weit über die Republik hinaus bekannt. Ihre Werke können Sie während des Spazierganges durch die Leninstraße, die im Jahre 2004 in eine Fußgängerzone umgestaltet wurde, kaufen.